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Erfahrungsberichte

Eine Patin für die ganze Familie

 Kressida führt ein glückliches und ganz normales Leben. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt die 31-Jährige im eigenen Haus auf einem Dorf, nur wenige Kilometer von Eberswalde entfernt. Sie und ihr Mann gehen arbeiten und teilen sich die haushaltlichen und familiären Pflichten und Sorgen, die der Alltag so mit sich bringt. Auch wenn die junge Familie ein normales und sorgenfreies Leben führt, ist sie trotzdem dankbar für jede Unterstützung. Sei es durch die eigene Familie oder durch das Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Nord.

„Das Netzwerk kenne ich, seitdem es das Netzwerk gibt. Mit großem Interesse hatte ich die Gründung in den Medien verfolgt. Sofort wusste ich, das wäre etwas für mich“, erinnert sich Kressida heute. Als vor sechs Jahren ihre erste Tochter geboren wurde, wurde sie wie alle Mütter im Krankenhaus von den Netzwerkmitarbeiterinnen angesprochen. „Damals bin ich dem Netzwerk nicht beigetreten, weil ich da noch dachte, dass sich die Unterstützung in erster Linie an schwächer gestellte Familien richtet, also Alleinerziehende oder Familien, wo die Großeltern weit weg wohnen oder sozial schwache Familien“, erinnert sich die junge Frau. Doch schon damals hegte sie den Wunsch, sich selbst einmal im Netzwerk zu engagieren. 

2010 kam dann die zweite Tochter zur Welt. „Da hab ich mich beim Netzwerk angemeldet. Zum einen wusste ich nun, dass das Netzwerk für alle da ist. Zum anderen wollte ich das Netzwerk erst einmal von der anderen Seite kennenlernen, bevor ich mich selbst einbringe“, sagt Kressida. Seit 2010 steht Familienpatin Jana der jungen Familie mit Rat und Tat beiseite. Mittlerweile gehört die Patin wie eine Freundin zur Familie, denn 2012 kam Sohnemann Aeneas zur Welt. Wieder ist Jana die Patin der Familie. 

Für Kressida war ihre Patin vor allem im ersten Lebensjahr ihrer Kinder wichtig. „Klar, ich hatte schon Erfahrungen mit Kindern, aber jedes ist anders. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo und hat eigene Bedürfnisse. Da ist der Blick von außen durch die Patin sehr hilfreich“, sagt die dreifache Mutter. Mindestens zehnmal besucht eine Patin ihre Familie. „Da sich unsere Kinder aber gut verstehen, sehen wir uns öfter“, so die junge Frau. „Anfänglich war ich sehr neugierig auf die Patin und ich fragte mich, wie sie wohl ist. Aber ich hatte nie Bedenken, jemand Fremdes in mein Haus zu lassen“, so die junge Frau. Mittlerweile treffen sich Patin und Familie nicht nur zu Hause. Spielplätze, Kaffees, gemeinsame Spaziergänge stehen ebenfalls auf dem Programm. „Dabei kann man sich genauso gut über die Entwicklung der Kinder austauschen“, sind sich beide einig.

Am Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Nord schätzt die 31-jährige Kressida besonders die persönliche Begleitung durch die Familienpatin. „Dadurch erhält man so viele Informationen aus erster Hand und muss sich nicht mühselig alles selbst zusammensuchen.“ Auch die vielen Angebote an Kursen und Fortbildungen hat die dreifache Mutter gern genutzt. Mittlerweile hat sich Kressida ihr lang ersehntes Bedürfnis erfüllt. Sie hat sich selbst zur Patin ausbilden lassen.

Helfen ist ein erfüllendes Gefühl

„Ich habe einen geregelten Job und mein Kind ist groß. Neben Sport und Freunden wollte ich meine Freizeit auch dafür nutzen, um etwas Sinnvolles zu tun, zu helfen“, sagt Sabine Graupe mit einem zufriedenen Lächeln. Die Eberswalderin ist 45 Jahre alt und seit Januar 2013 im Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Nord aktiv. Mittlerweile ist sie Patin für fünf verschiedene Familien. 

Das Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Nord kannte sie schon viel länger. Aus den Medien hatte sie von der Netzwerkarbeit erfahren. „Ich hatte mich schon lange mit dem Gedanken befasst, etwas Ehrenamtliches zu machen. Als meine Tochter dann ihr Abitur gemacht hat, habe ich zum Telefon gegriffen und beim Netzwerk angerufen“, erzählt die Eberswalderin. 

Von ihrem ersten Anruf bis zur Übernahme der ersten Familie als Patin vergingen einige Monate. Denn jede Patin durchläuft ein festes Schulungsprogramm, in dem sie in den Bereichen Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern, Pflege und Gesundheit, Sprachförderung, Eltern-Kind- Bindung oder Kommunikation geschult werden. „Sehr positiv ist, dass wir permanent geschult werden. Wir als Patinnen sind also immer auf dem neuesten Wissensstand. Durch die Schulungen haben wir Patinnen regelmäßigen Kontakt zueinander. Das ist nicht nur schön, dass ist auch für den Erfahrungsaustausch wichtig“, sagt Sabine Graupe. 

Denn immer wieder haben die Patenfamilien Fragen zur Entwicklung der Kinder, die die Patinnen nicht aus dem Bauch heraus beantworten können. Da ist der Austausch mit anderen Patinnen und den Fachleuten besonders wichtig. 

Die persönliche Arbeit mit den Familien ist der Eberswalderin besonders wichtig. „Bei manchen Familien bin ich sehr häufig. Das geht weit über die 10 Pflichtbesuche hinaus. Das passiert in Familien, die mich wirklich brauchen und die Hilfe auch wollen“, sagt die Patin. Die Zeit nimmt sich die Eberswalderin dafür gern. „Es ist ein erfüllendes Gefühl, wenn man Erfolge sieht. Ich mache das gern, denn ich habe die Zeit“, betont Sabine Graupe. Die größte Herausforderung besteht für die Frau darin, sich immer wieder auf die verschiedenen Familien einzustellen. Denn alle Familien haben andere, individuelle Entwicklungsfragen. 

Herausfordernd sind für die Patin auch manch Gespräche im Bekanntenkreis. „Nicht alle können nachvollziehen, warum ich das mache. Warum ich anderen, fremden Familien als Ansprechpartnerin beiseite stehe, ohne selbst etwas zu erwarten“, so die Patin. In der Gesellschaft vermisst Sabine Graupe immer mal wieder die Wertschätzung für ehrenamtliche Tätigkeiten. „Die Wertschätzung kommt natürlich um so stärker von den Familien, die ich betreue, aber auch von Kommunen und Einrichtungen. Ich finde es sehr wichtig, dass die Städte und Gemeinden im Barnim und Einrichtungen wie die GLG die Netzwerkarbeit anerkennen und fördern“, so die Patin. Denn ihrer Aussage nach verbindet alle Mitwirkenden, das Koordinatorenteam, die Patinnen, die Referenten und die Förderer das Wir-Gefühl. „Alle haben ein Ziel und das ist die Gesundheit der Kinder“, sagt Sabine Graupe. 

Für die Zukunft wünscht sich Sabine Graupe von der Gesellschaft mehr Offenheit. „Der Netzwerkgedanke wird mitunter von vornherein falsch verstanden. Wir sind nicht für sozial schwache Familien da, sondern für alle Familien. Alle Eltern haben die gleichen Fragen zur Entwicklung ihrer Kinder. Und alle haben auch ein Recht darauf, die vielen Angebote zu nutzen. Meine fünf Familien sind allesamt ganz normale Familien. Ich als Patin lotse sie einfach nur durch den Dschungel an Informationen, Angeboten und Einrichtungen".